Augsburg und das große Relativieren: Dummer Zufall, keine Absicht, Pech für beide Seiten

Demnächst wieder? Anti-AfD-Demo im Sommer auf dem Augsburger Königsplatz, dem Tatort von Freitag (Foto:Imago/reportandum)

Augsburg – Nach der heutigen Pressekonferenz zum Fall Augsburg soll schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen werden: Im Vordergrund steht 1. der Kampf gegen Rechts, 2. die Verleugnung des Migrationshintergrunds der überwiegend polizeibekannten Täter, 3. die Einschränkung des Überwachungsstaates. Bei deutschen Kampagnenjournalisten glühen bereits die Federn.

Nachdem die Augsburger Polizei in ihrer Pressekonferenz heute nachmittag einige Detailinformationen zur Tötung des 49-jährigen Feuerwehrmannes durch eine siebenköpfige Jungtätergruppe nachgereicht hatte, pickten sich Vertreter beider unversöhnlich-verhärteten gesellschaftlichen Fronten jeweils das heraus, was für sie im Vordergrund steht: Für die einen ist ist der Migrationshintergrund der Täter wesentlich, der nicht nur auf die aktuelle Zuwanderungsproblematik verweist, sondern auf die Tatsache schlecht bis überhaupt nicht sozialisierter gewaltaffiner Parallelmilieus im Land, die teilweise seit Jahrzehnten hier kulturfremd leben und nie in Deutschland „ankamen“. Für die anderen, darunter die große Mehrheit der Altparteien und der regierungstreuen Mainstreammedien, handelte es sich um eine  „Zufallsbegegnung“, einen „hochgeschaukelten Streit“, bei dem eine „zusammengewürfelte Gruppe von Männern“, die „keine engen Freunde“ gewesen seien, in einem unüberlegten Moment eine „Überreaktion“ mit „tragischem Ausgang“ verursacht habe (alles Originalzitate aus aktuellen Artikeln deutscher Zeitungen).

Verwirrspiel um Nationalitäten

Entgegen gestriger Verlautbarungen über mehrere Staatsangehörigkeiten der Täter – der Hauptbeschuldigte, hieß es gestern, sei Libanese, Türke und Deutscher gewesen, ein weiterer Italiener – gab sich die Polizei heute extrem schmallippig und erklärte: Der Haupttäter sei kein Deutscher, sondern Libanese – aber alle anderen sechs Verdächtigten seien „deutsche Staatsbürger“. Kein weiteres Wort mehr zum augenscheinlichen Migrationshintergrund aller Beschuldigten, über den Augenzeugen berichteten und von dem auch die ausländische Presse schrieb. Für die Polizei und die meisten deutschen Journalisten – die zur absichtlichen Verwirrung zuvor die völlig unterschiedlichen Begriffe „Identität“ (im Sinne von Scheinidentität), „Staatsangehörigkeit“ und „Herkunft“ wild durcheinandergewirbelt hatten – war damit genug über die „Täterherkunft“ geredet. Nach dem Motto: Schluss mit dem rechten, rassistischen Nachgehake über solche Nebensächlichkeiten, die nichts zur Sache tun. Alle Täter waren Deutsche oder zumindest in Deutschland geboren  – nur AfD-Rassisten bohren da noch weiter. Der weiße Elefant im Raum wird weiter ignoriert und darf nicht erwähnt werden: „Es gibt kein Problem mit Migrantengewalt!“.

Die eigentlichen Ursachen der Gewalttat lagen in Wahrheit natürlich ganz woanders: „Fakten statt haltloser Behauptungen“ flötete die „Augsburger Allgemeine“ und schrieb: „Ob Jugendliche kriminell werden oder nicht, entscheidet nicht der genetische, sondern der soziale Hintergrund.“ Ein ganz und gar hanebüchener Humbug: Es geht hier nicht um genetische, sondern allein um kulturelle Disposition. Selbst „völkische“ Flügelelemente würden eine biologistische Determiniertheit nicht behaupten; sehr wohl aber existiert eine kulturelle Prägung. Ob jemand als Kind von Türken, Algeriern, Libanesen oder Deutsche geboren wird, ist für seine spätere Entwicklung völlig unerheblich – nicht aber, von wem und wie er dann aufgezogen wird, in welchem kulturellen Background er aufwächst. Diese banalen Einsichten verweigern linke Phantasten bis heute. Davon abgesehen: würde alleine die Zugehörigkeit zum sozialen Prekariat die Gewaltaffinität triggern, müssten deutsche Obdachlose die mörderischste Hochrisikogruppe im öffentlichen Raum darstellen.

Unverfrorene „SZ“-Hetze

Kein Wunder, dass solche haarsträubenden Debattenbeiträge heute auch prompt das Wohlwollen eines schamlosen Hetzblattes fanden, das noch immer auf seine unverbrüchlichen Adressaten im linken Bildungsbürgertum zählen kann: Die „Süddeutsche Zeitung“ lobte den unterirdischen „AA“-Beitrag als „klug und nüchtern“  und dozierte: „Das Risiko, auf die schiefe Bahn zu geraten, ist höher bei Jugendlichen, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Jugendliche mit Migrationshintergrund wachsen besonders oft in solchen schwierigen Verhältnissen auf“. Bravo, 100 Punkte: Die Gesellschaft ist schuld, dass junge Halbstarke ihren Frust in Innenstädten ausleben – durch Gepöbele, Treten von Bierdosen oder Kopfschlägen gegen unbescholtene Ehepaarê!

Zur Täterherkunft fällt der „SZ“ ansonsten nur die Frage ein: „Tut das irgendetwas zur Sache?“ Für sie geht es bei Augsburg ohnehin wieder nur um ihr pathologisches Leib- und Magenthema: Die verhasste AfD – und dass „Rechtspopulisten“ hier wieder versuchen, „politischen Profit“ aus dem Fall zu schlagen. Hier liegt für sie die wahre Brisanz; der getötete Feuerwehrmann, ja das Verbrechen sind für das Münchener Indoktrinationsleitmedium Banalitäten: „Dass Menschen zusammengeschlagen werden, geschieht in diesem Land an jedem Abend.“ Der Tod des Mannes sei zwar „tieftraurig“, doch was den Vorfall auf dem Augsburger Königsplatz „…so tragisch heraushebt, ist die unerwartete, vom Täter allem Anschein nach auch nicht intendierte Todesfolge schon nach dem ersten Faustschlag.“ Der Schlüsselsatz ist hier natürlich: „Vom Täter nicht intendiert“: Pech hatte nicht nur das Opfer.

Es ist eine journalistische Perversion und moralische Entgrenzung ersten Ranges, die sich hier mit wohlwollender Billigung des politischen Raums Bahn bricht und nicht nur auf astronomische Distanz zum empathischen Normalempfinden der meisten anständigen Menschen in diesem Land geht, sondern auch ihr Gerechtigkeitsgefühl verhöhnt. Immer mehr Menschen haben es satt, nicht nur ohnmächtig Zeuge des schleichenden Verfalls von Recht, Ordnung und Sitten in diesem Land werden zu müssen, sondern sich von abgehobenen intellektuellen Volkserziehern in Medien und Politik Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit vorhalten zu lassen, wenn sie legitime Frage stellen. Etwa die, wieso die zunehmende Gewalt in der Öffentlichkeit immer öfter von halbstarken Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausgeht, oder wer in diesem Land eigentlich inzwischen so alles „Deutscher“  ist.

Ballast und Gegenwind der Realpolitik

Mindestens ebenso belastend wie die von der „Süddeutschen“ hier stellvertretend artikulierte Panik jedoch, solche monströsen Vorfälle könnten die Kampfmoral „gegen rechts“ untergraben, ist ein weiterer ideologischer Gegenspieler von Realpolitik und Verbrechensbekämpfung in diesem Staat: Der Datenschutzwahn und der Widerstand gegen die angeblich „flächendeckende“ Installation von Videokameras. Bayerns Datenschutzbeauftragter Thomas Petri hatte angesichts der Augsburger Attacke heute nichts besseres zu tun, als vor einem weiteren Ausbau der Videoüberwachung zu warnen: Gegenüber der „dpa“ erklärte er, Städte dürften „nicht mit Kameras zugepflastert werden“, sondern dies müsse die absolute „Ausnahme“ sein. Jede Kamera im öffentlichen Raum sei „eine Grundrechtsverletzung der Bürger“, und sie sei auch deswegen „nicht sinnvoll“, weil es gar nicht genug Personal gebe, „alle Aufnahmen im Blick zu behalten und zu reagieren“. Eine sagenhafte Einlassung mit Fingerspitzengefühl: Niemals wäre die Augsburger Tat ohne die rund 15 Videokameras rund um den Königsplatz aufgeklärt worden; in Wahrheit müsste es bundesweit sogar noch viel mehr Kameras im öffentlichen Raum geben. Vor die Wahl gestellt, ob man seine „Bürgerrechte“ unbeobachtet in Innenstädten auskostet, die zur Spielwiese brutaler Jugendgangs verkommen sind, die dort Mord und Totschlag zelebrieren, oder ob man digitale Dauerkontrolle als notwendigen Tribut für die persönliche Sicherheit akzeptiert, fällt die Antwort wohl eindeutig aus. Petry meint zu diesem Punkt, die „Erfahrung zeigt, dass die Kameras in der Regel keine Straftaten verhindern“; doch erstens dürfte ohne Überwachung die Verbrechensrate wohl noch deutlich höher liegen. Und zweitens ist so immerhin immerhin Täterermittlung möglich. Und gäbe es in diesem Land abschreckende Strafen, wäre der Effekt sogar noch größer.

Tatsächlich haben die Täter von Augsburg wohl wenig bis gar nichts zu befürchten. Über das Jugendstrafrecht lachen sie sich jetzt schon schlapp. Für den kreidefressendeb Kolumnisten der „Augsburger Allgemeinen“ sieht das natürlich ganz anders aus: „Auch wenn es sich um Heranwachsende handelt, steht außer Frage, dass es bei einem Schuldspruch eine angemessene Jugendstrafe geben muss“. „Angemessen“ – das sind dann ein paar Jahre abwärts bis Bewährung. Damit ist der Fall erledigt. Und spätestens wenn der Feuerwehrmann zu Grabe getragen ist, können sich alle wieder der Ausgestaltung des „bunten Zusammenlebens“ widmen – in Augsburg und anderswo. (DM)
https://www.journalistenwatch.com/2019/12/09/augsburg-relativieren-dummer/

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